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Kein Grund zum Pessimismus, aber jede Menge Grund zum Realismus: Mit dieser Haltung hat Joschka Fischer im Friedrichsforum Bayreuth sein neues Buch „Wer sind wir? Deutschland auf der Suche nach seiner Identität“ vorgestellt. Es wurde ein nachdenklicher Abend über Freiheit, Vertrauen und die Frage, welches Deutschland wir eigentlich wollen.

Deutschland im Zentrum eines Wirbelsturms

„Unser Land steht im Zentrum eines Wirbelsturms“, sagte Fischer. Die Welt transformiere sich, und das Vertrauen in Deutschland schwinde. Es gehe darum, für die Freiheit einzustehen und um unsere Zukunft, unsere Freiheit und unsere Sicherheit zu kämpfen. Genau das sei der Grund für sein Buch, in dem er auch fragt: Welches Europa braucht ein europäisches Deutschland? Anlass, depressiv zu werden, sieht er trotzdem keinen.

Klare Worte zu Rente, Pflege und Zuwanderung

Besonders deutlich wurde der ehemalige Bundesaußenminister bei Themen, die viele im Alltag beschäftigen. Immer weniger Kinder und immer höhere Renten, das passe nicht zusammen: „Das ist Mathematik.“ Ohne Zuwanderung komme Deutschland nicht zurecht, und wer sich künftig um die Pflege kümmern soll, sei offen, denn es fehlten die Fachkräfte. Das seien große Herausforderungen, für die, die kommen, und für die, die schon da sind. Sein Appell: ein rationales Verhältnis zu diesen Fragen finden.

Vertrauen nicht verspielen

Sieben Jahre war Fischer als Außenminister für die Bundesrepublik tätig, nach eigenen Worten „kein Ausruhen auf der faulen Haut“. Es sei viel Vertrauen in das demokratische Deutschland investiert worden, und das dürfe man nicht verspielen. Sichtlich bewegt äußert er sich zur Wahl des Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt : „Ich dachte, wir hätten es begriffen!“

Demokratie braucht Kompromisse

Demokratie zwinge zum Kompromiss, betonte Fischer. Kritisch blickte er auch auf die Politik selbst: Politiker seien „Ingenieure der Macht“, und das nehme die Menschen nicht mit. Hier müsse sich etwas ändern. Es brauche neue Ideen. Offen blieb auch die Frage, wie man junge Menschen gewinnt.

Welches Deutschland wollen wir?

Diese Frage zog sich durch den ganzen Abend: Wollen wir vorwärtsgehen und uns weiterentwickeln oder zurück zu alten Fehlern? Für Fischer schafft Druck von außen auch neue Möglichkeiten. Jetzt komme es auf uns an, denn es gehe um die Zukunft der kommenden Generationen.

Datum: Donnerstag, 08.10.2026
Uhrzeit: 19 Uhr
Ort: Friedrichsforum, Bayreuth

Text und Bild: Andrea Zehendner