Destroy Boys

Es ist dieser eine Moment, kurz bevor das Licht ausgeht, wenn ein Konzert noch Versprechen ist: ein kollektives Einatmen, das Knistern im Raum, die Ahnung, dass gleich etwas Unkontrollierbares passiert. Bei Destroy Boys gehört genau dieser Moment zum Markenkern. Ihre Shows sind keine bloßen Darbietungen, sondern Verdichtungen von Energie, in denen sich Schweiß, Wut und Euphorie zu einem körperlichen Erlebnis verweben. Wer sie einmal auf einer Bühne gesehen hat – sei es im Vorprogramm von Szenegrößen, auf Festivals wie dem Coachella oder auf einer ihrer eigenen Shows –, weiß, dass hier keine Distanz gewahrt wird. Das Publikum wird Teil des Geschehens, als würde sich die Musik nicht nur im Raum, sondern durch ihn hindurch bewegen.
Seit ihrer Gründung 2015 in Sacramento hat sich die Band um Alexia Roditis und Violet Mayugba von einem Zwei-Personen-Projekt zu einer festen Größe im internationalen Punk-Kosmos entwickelt. Früh geprägt von DIY-Spirit, wuchs ihr Sound mit jeder Veröffentlichung, vom rohen Debüt „Sorry, Mom“ bis hin zu späteren, deutlich ausdifferenzierteren Arbeiten. Dabei blieb stets eine Haltung erhalten, die sich gegen Zuschreibungen sperrt: musikalisch wie gesellschaftlich. Destroy Boys verstehen sich als „genrequeer“ – ein Begriff, der programmatisch ist. Er beschreibt nicht nur ihre stilistische Offenheit zwischen Punk, Riot Grrrl, Indie und Alternative, sondern auch den Anspruch, gängige Kategorien von Identität infrage zu stellen.
Mit ihrem aktuellen Album „Funeral Soundtrack #4“ treiben sie diese Entwicklung weiter. Der Titel ist weniger Ironie als Bilanz: Jede ihrer bisherigen Platten markiere, so Mayugba, das Ende eines Lebensabschnitts. Nun, mit Mitte zwanzig, stehen Roditis und Mayugba fest auf solider Erde – selbstbewusster und entschlossener denn je in ihrer Rolle als Musikerinnen.
Dass Destroy Boys heute größere Bühnen anstreben, widerspricht bewusst einem alten Punk-Dogma, das Erfolg mit Verrat gleichsetzt. Sie wollen mehr, und sagen das offen. Vielleicht ist es gerade diese Ambition, die ihre Musik so dringlich macht.
Bildquelle: © E-Werk Erlangen



