Zwei Pferde. Es geht um zwei Pferde. Der Pferdehändler Michael Kohlhaas ist auf dem Weg nach Dresden zur Auktion. Als er an der Burg von Wenzel von Tronka vorbeikommt, verlangt dieser unrechtmäßig Geld für die Passage. Kohlhaas lässt zwei seiner Pferde als Pfand zurück. Als er auf dem Rückweg wieder an der Burg vorbeikommt, um seine Pferde auszulösen, sind diese nur noch Wracks. Tronka hat sie auf dem Feld zuschanden arbeiten lassen. Michael Kohlhaas verlangt Schadensersatz. Aber Wenzel von Tronka kennt den Richter und Kohlhaas geht leer aus. Das kann man sich nicht bieten lassen. Michael Kohlhaas spricht eine Fehde aus und fackelt Tronkas Burg ab. Mit einem Haufen Gleichgesinnter zieht Kohlhaas durch die Lande und versucht, Gerechtigkeit zu bekommen und schafft dabei mehr und mehr neues Unrecht. Kann man ihn stoppen? Und ist Gerechtigkeit jeden, aber auch jeden Preis wert? Michael Kohlhaas wird zu einem Revolutionär, der im fundamentalistischen Kampf für sein Recht jedes Maß und jede Verhältnismäßigkeit verliert. Ein Krieg beginnt.
Heinrich von Kleist hat 1808 mit Michael Kohhaas eine der größten und bedeutendsten deutschen Novellen über Recht und Unrecht, die Eskalation von Gewalt und die Eigendynamik von Konflikten geschrieben.
Die Inszenierung am Theater Ansbach nimmt den Kleist Text, der die Grundlage des Stückes bildet, ernst und bringt ihn in seiner Novellenform teils spielerisch, teils erzählerisch so wortgetreu wie möglich auf die Bühne. Dabei leistet die Inszenierung etwas, das der Text nicht leisten kann: Er macht die Erzählfiguren sichtbar. Während Kleist die Novelle als eine Form des Berichts verfasste, die schließlich mit dem Satz endet: „Vom Kohlhaas aber haben noch im vergangenen Jahrhundert, im Mecklenburgischen, einige frohe und rüstige Nachkommen gelebt.”, kann man in der Ansbacher Bühnenfassung drei Frauen sehen, die erzählen, durchleben und regelmäßig neu verhandeln, welche von ihnen denn jetzt den sprichwörtlichen Hut auf hat. Eben jenen Hut, der vergleichbar mit einem Generationentrauma munter weitergereicht wird.




